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Brief an eine Unbekannte

Geliebte Unbekannte,
unbekannte Geliebte,
es ist nicht leicht, diese Zeilen zu beginnen. Und es ist nicht schwer, denn du bist „da“. Es ist, als würdest du hinter mir stehen, eine Hand auf meiner Schulter, und ruhig und geduldig dabei zusehen, wie Buchstabe für Buchstabe dieser Brief entsteht.
Es ist nicht leicht, weil ich dir so viel zu sagen habe, ohne zu wissen, was überhaupt ich dir sagen will. Ich fühle nur. Und mit diesem Fühlen möchte ich dich berühren, so, wie du gerade mich berührst. Spürst du’s?
Deine Hand auf meiner Schulter gibt mir Kraft, und diese Kraft ist es, die mich dich spüren läßt. Ich kann dich riechen, mit deiner Kraft, ich kann dich schmecken, fühlen, hören und sehen. Ich weiß genau, wie deine Augen schauen, und wie deine Stimme klingt. Dein Körper wird lebendig, und dein Geist hüllt mich ein...
„Ja, Mensch!“, möchte ich fast sagen, jetzt, wo deine Hand meine Schulter drückt, weil ich abzudriften beginne. Schmunzeln müssen wir beide darüber, ich weiß. Statt „Geist“ wäre es dir lieber, ich würde über Lebendigkeit erzählen. Oder über Wärme reden. Oder dich zum Lachen bringen.
Ich mag dein Lachen. Es ist eigentlich (fast) nie ausgelassen, allerdings auch nicht besonders kontrolliert. Du lachst gern – lieber zumindest, als dass du weinst. Doch es ist selten, dass dich ein Witz zum Lachen bringt. Am liebsten ist es dir, du lachtest aus Glück. Oder zumindest gemeinsam. Es muss schön sein, gemeinsam mit dir zu lachen.
In deiner Stimme fühle ich mich wohl. Obwohl sie mich treiben oder antreiben könnte, wird sie nie „benutzt“ – du läßt sie „leben“, weil sie lebt. Weil du lebst.
Ich höre sie weich und warm, zärtlich oder erregt. Immer ist sie klar und stark, selten nur laut. Ich mag’s, wie sie meinen Namen flüstert, spricht oder ruft. Ich weiß, ich gehöre zu dir.
Deine Hände... warm wie deine Stimme. Fein, gefühlvoll, und doch können sie zupacken. Sie können viel geben: Halt oder Hilfe, Trost oder Wärme, Zärtlichkeit oder Liebe. Sie sind dir zwar nicht so wichtig wie es dir die meinen sind, aber mit ihnen, deinen Augen und deiner Stimme bist du „Du“.
Viel feiner als es deine Stimme kann, können deine Augen ausdrücken, was du sagen willst. Allerdings sind sie auch deine Verräter, denn zuweilen erzählen sie das, was du gar nicht erzählen willst. Sie sind dein stärkstes Ausdrucksmittel. Ich liebe es, wenn sie mich anlachen oder gar anstrahlen. Ich liebe dich, wenn sie mich lächelnd tadeln. Aber es tut weh, sehe ich sie feucht – auch, wenn es Freude sein sollte, die sie nässt. Oder Glück. Dann allerdings ist dieser Schmerz süß.
Du läßt gern spielen mit dir. Es macht dir Freude, wenn ich innerst an deinen Zöpfen ziehe, ohne dir weh zu tun, oder dir einen liebevollen, aufmunternden Klaps auf den Hintern gebe. Du magst es, berührt zu werden von mir. Nicht nur mit den Händen, sondern auch mit nur einem Wort, einem Blick oder einem Gedanken.
Wie mit deinem Geist läßt es sich trefflich mit deinem Körper spielen – nicht, weil ich’s kann, sondern weil du’s willst. Wie die Saiten einer Gitarre reagieren die Sehnen, Muskeln und Nerven auf die Berührungen meiner Hände oder meines Mundes. Ich kann dich lebendig machen mit meinen Händen, treiben, aber ich kann dich auch kosen mit ihnen. Oder halten. Und ausruhen kannst du an meiner Schulter.
Es ist fast eine Umarmung, wie ich denke, wie ich fühle. Ganz fest habe ich dich im Arm, schaue in deine Augen und bin zu Hause.
Heimgekommen.
24.7.08 15:52
 


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