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Meine Tasse

Schon ein ganzes Stück meines Lebens begleitet sie mich, meine Kaffeetasse. Eigentlich ist sie ein Becher, aber wer will morgens schon mit einem Becher am Frühstückstisch sitzen. Ja, meine Tasse ist eine erwachsene Tasse, größer als ein Tässchen - vor allem stabiler. Morgen für Morgen schmiegt sie sich in meine Hand. Manchmal halte ich mich fest an ihr, lege beide Hände um sie, wärme mich. Wenn ich sie morgens aus dem Schrank nehme, blinkt sie mir adrett – aber etwas kühl – entgegen. Hat sie aber erst meinen Kaffee aufgenommen, lockt ihr Dampf mich an den Tisch. Sie ist weiß, ihr Henkel hat die Form eines Ohres. Trotzdem kann sie mich nicht hören. Und zum Glück (manchmal) auch nicht sehen. Doch ich kann mich spiegeln in ihr (wirke dabei aber leicht retuschiert). Sie kennt mich genau: verkatert oder nur verschlafen, fröhlich oder traurig, nachdenklich, verliebt oder auch zornig. Aber nie hatte ich das Gefühl, sie würde mich mißbilligen. Auch an meiner Tasse ist das Leben nicht spurlos vorübergegangen – wir werden gemeinssam älter. Sie hat einen Sprung am Rand, wie ich Sprünge habe in der Seele. Ein Riß am Henkel mahnt mich, sie vorsichtig zu benutzen – ich bin auch so sensibel. Und in dem Maße, in dem ich ergraue, läuft sie innen braun an. Sie wird’s nicht mehr lange machen, meine brave Tasse. Ich hab’ mich schon nach einer neuen, schöneren umgesehen.
Tja, so ist das Leben ...
30.4.06 18:05
 


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