Startseite
    Gedichtetes
    Nachdenkliches
    Märchenhaftes
    Gefühlvolles
    Alltägliches
    Sensibles
    Humoriges
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


 
Links
  Hänschen
  samtstimme


http://myblog.de/ernuwieder

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Humoriges

Sinnspruch

Vermeide nach Möglichkeit die Vermeidung von Fremdwörtern
weil: Die versteht keiner.
Meistens.
Und das ist gut so.
Sonst wären sie uns ja nicht fremd.
11.8.08 20:07


Versteh' einer die Frauen

oder: Das Candlelight-Dinner

Ich muss ja zugeben, dass man es peinlich finden kann, in fast 30 Jahren nicht einmal an den Hochzeitstag gedacht zu haben. Naja, bis auf eine Ausnahme: Die Silberhochzeit. Denn die musste ja vorbereitet werden. Aber ansonsten hatte ich immer an so viele Dinge zu denken, dass für etwas Banales wie „Hochzeitstag“ kein Platz war.
„Du liebst mich nicht“, erhielt ich stets als Reaktion darauf, was allerdings sehr ungerecht war, da ich ja die Dinge, die mich den Hochzeitstag vergessen ließen, aus Liebe zu ihr machte.
Vielleicht nicht immer, aber doch ganz schön oft.
Möglicherweise ist ja auch deshalb der Hochzeitstag eine Art Rotes Tuch für mich: Ich weiche ihm aus, weil er stets von Vorwürfen begleitet wird. Ungerechte. Und ungerechtfertigte. Denn dass ich sie liebe, habe ich mindestens schon tausendmal gesagt. Und manchmal kann ich’s sie sogar spüren lassen. Sie ist dann immer ganz erfüllt von unserem Sex. Das jedoch wird momentan seltener. Es liegt wohl am Älterwerden. Frauen sind so.
Nur wir Männer, wir werden reifer und überlegender. In den Fünfzigern hat sich bei uns Männern proportional so viel Weisheit angesammelt wie Kochrezepte bei den Frauen. Deshalb trag’ ich ihr auch nichts nach, das Essen ist ja auch wirklich lecker.
Ein bisschen von dieser Weisheit wollte ich diesmal anwenden. Zum 28. Hochzeitstag. Seit 1986 liegt sie mir in den Ohren wegen eines Candlelight-Dinners. Ich fand das für unsere Verhältnisse immer ein wenig oversized. Was ist sowas schon gegen eine Bratwurst im Fussballstadion beispielsweise, oder so’n teurer saurer Schampanjer gegen ein sorgfältig gezapftes, kühles Helles. Aber diesmal sollte sie es kriegen. So quasi als Überraschung, und damit sie endlich Ruhe gibt. Außerdem hatte das eine recht praktische Komponente für mich, wollte aber auch gut geplant sein.
Schon einen Monat vor diesem besonderen Tag ging ich in den Yachtclub, der eine recht gute Restauration haben musste, wenn man die Preise der Speisenkarte so durchschaute. Ich reservierte einen kleinen Tisch direkt am großflächigen Terrassenfenster, aus dem man über die ganze Förde schauen konnte. Und richtiger Schampanjer sollte in einem Eiskübel auf dem Tisch stehen. Und Blumen. Am besten Butterblumen, die liebte sie so. Immer wenn wir mit dem Auto in der Natur unterwegs waren, machte sie mich auf die Butterblumenwiesen aufmerksam. Und da ich ein guter Zuhörer bin, wollte ich ihr auch diesen Wunsch erfüllen – selbst gegen den Widerstand des stirnrunzelnden Kellners. Es sollte ja schließlich „ihr“ Abend werden.
Mit der Taxizentrale sprach ich, um vielleicht einen besonderen Wagen für jenen Abend zu bekommen. Sie würde staunen. Und dann ließ ich mir von ihrem Friseur einen Gutschein aushändigen für Frisur, Fingernägelmachen, Peeling und sonstigen unsinnigen Kram.
Am Samstag, als es dann soweit war, konnte ich es kaum erwarten, bis sie mich mit dem Frühstück weckte. Und noch vor dem Zeitunglesen platzte ich heraus: „Schatz, heute habe ich eine Überraschung für dich. Unser heutiger Hochzeitstag soll ein unvergessliches Erlebnis werden. Wir gehen gleich in die Stadt, dir ein Kleid kaufen, und dann bekommst du heute abend dein Candlelight-Dinner!“
Ich war ziemlich stolz auf mich, dass ich sie noch dermaßen überraschen konnte. Nichtmal meine Sportberichte konnte ich richtig zuende lesen, da war sie schon mit dem Abwasch fertig und wollte „los“.
Im Kaufhaus dann fanden sich schöne Kleider. Ich musste sie zwar ein wenig bremsen, wegen der Kosten (man muss es beim Kauf eines Kleides für nur einen Abend ja nicht übertreiben), aber irgendwann hatten wir etwas festlich genuges gefunden. Dann brachte ich sie zum Frisör und gönnte mir während dieser Zeit einen Kinobesuch.
Es war schon ziemlich spät, als wir zu Hause eintrafen. In einer Stunde sollte das Auto kommen. Für meine Frau musste das purer Stress sein, ich selbst brauchte ja nur fünf Minuten. Aber frisiert war sie ja schon und geschminkt, da war also doch eine echte Chance da. Und tatsächlich: Zwei Minuten vor der Zeit kam sie aus dem Bad, voll angezogen und fertig gemacht. Sie wirkte zwar ein wenig älter in ihrem neuen Kleid, aber das war egal. Hauptsache glücklich!
Zu einem unverständlichen Bruch kam es danach. Erst schaute sie recht merkwürdig auf meine Stadionklamotten, die ich jedes Mal trug, wenn unser Verein zu Hause spielte, und als die Jungs vor der Tür hupten (das Timing war klasse, denn ihr Taxi kam auch gerade) und ich ihr das Geld fürs Essen in die Hand drücken wollte, schien sie fast in Tränen ausbrechen zu wollen – jedenfalls zitterte ihre Unterlippe so. Und dann fing sie an zu schreien…
Alles also wie üblich, nur ein bisschen lauter. Und das, obwohl sie nun doch alles hatte.
Trotzdem ließ ich mir meinen Abend nicht versauen. Wir gewannen 4:1, und von den Jungs verstand auch keiner, was sie nur wieder hatte. Es ist uns Männern wohl nicht gegeben, die Frauen zu verstehen…
29.4.06 19:02


Die Liebesinsel

Ein Reisebericht von Peter Scholl-Ernu, entnommen “Ernus Weltreisen” mit freundlicher Empfehlung des Autors

Zwischen Ceylon und Sri Lanka liegt sie: Srilon, die so genannte “Liebesinsel”. Ein kleines Eiland mit schroffen Felsen, sanften Hängen und grünen Wiesen, eingebettet in die Wogen des Ozeans. Mit dem Wasserflugzeug ist Srilon von Larnaka aus in einer viertel Stunde zu erreichen. Hier angekommen erwarten den Reisenden 360 Sonnentage, Strände wie in Dänemark und eine Flora und Fauna.
Schon die Anreise wird zum Erlebnis. Die kleinen 8-sitzigen pinkfarbenen Wasserflugzeuge der inseleigenen Fluggesellschaft sind ausgestattet mit einer reichhaltigen Bar und Stewardessen für jeden Flugpassagier. In aller Regel sind diese Passagiere männlich - ein Manko, das vom Srilonischen Tourismusverband phantasievoll ausgeglichen wird. Schon das Flugpersonal wirkt sehr qualifiziert und ist für den Reisenden erstes folkloristisches Highlight in ihren landestypischen knapp oberschenkellangen Baströckchen.
Das prägende Element dieser Insel sind ihre Frauen, ein kleiner Irrtum der Evolution: alle blond, kaffeebraune Haut, lange Beine, große …ähhh… Augen und traditionell in ihrer Hingabe verwurzelt. Der männliche Bevölkerungsteil ist überwiegend domestikisch.
Vor sieben Jahren verlor Srilon sein wichtigstes wirtschaftliches Standbein, den inseltypischen Bambushüttenblockbau. In Jahrhunderten für den Eigenbedarf konzipiert, wanderte der Bambushüttenblockbau im Zuge der Globalisierung in den Osten. In der Nähe von Dresden werden nun die Bambushüttenblockbauten zu wesentlich geringeren Kosten in erheblich größeren Stückzahlen hergestellt, als es das heimische Handwerk zu leisten vermochte.
Die Importe schienen das Land zunächst zu ruinieren, als die junge Präsidentin Ramona Vrumm begann, das Land zu modernisieren und dem Tourismus zu öffnen, der mittlerweile zum wichtigsten wirtschaftlichen Faktor der Insel geworden ist. Gängiges Zahlungsmittel sind hier Glasperlen. Man kann sie zu einem recht günstigen Eurokurs erwerben, ihre Ausfuhr jedoch ist verboten.
Aus ökonomischen Gründen besteht auf der Insel für Einheimische ein Heiratsverbot. Dadurch ist hier der Durchschnitt weiblicher Singlefrauen im internationalen Vergleich besonders hoch.
Kulturell hat Srilon einiges zu bieten. Theater, Museen, Galerien und die pompöse, im postvenezianischen Stil erbaute Oper lassen sich leicht übersehen, denn dahinter blüht das kulturelle Leben. Tanztempel, Lichspielhäuser, kleine exquisite Bars und allerorten Häuser mit liebevoll eingerichteten Ruhezonen laden zu Kurzweil und Entspannung ein. Warme, weibliche Gesprächspartnerinnen verschließen sich keinem Thema. Dass sie hierbei nur der Landessprache mächtig sind, ist nicht wirklich hinderlich.
Die Hotels entsprechen europäischem Standard und liegen allesamt am Meer. Die großzügigen Appartements bestehen aus einem Schlafzimmer. Sektkübel und Massageöl sind obligat. Prägendes Element des Interieurs ist stets ein geräumiger Whirlpool im passenden Stil. Eine erlesene und reichhaltig ausgestattete Bibliothek aufwühlender Filme Flensburger Produktion steht jedem Gast zur freien Verfügung.
Um dem tropischen Klima auch außerhalb klimatisierter Räume begegnen zu können, erhält jeder Gast zur Erleichterung und Kühlung einen Palmwedel. Diese Kinder sind dadurch gut in der Lage, das hierzulande sehr geringe Familieneinkommen (umgerechnet etwa. 5 Euro/Monat) aufzubessern und zu stärken (denken Sie bitte daran, wenn Sie nach drei Wochen heimreisen; ein Trinkgeld nicht unter 50 Cent ist angemessen).
Lafli-Tours bietet ein Drei-Wochen-Arrangement zum All-Inclusive-Preis von 799,- Euro an. Das Real-All-Inklusive-Arrangement für 999,- Euro enthält zusätzlich eine ständige Reisebegleitung, die der Landessprache mächtig ist. Ein entsprechender, reich bebilderter Katalog wird jeder Buchungsbestätigung beigefügt. Mitreisende Ehefrauen erhalten einen Sonderpreis von 9999,- Euro pro Tag, zuzüglich Flughafenpauschale.
Mit- und alleinreisende Frauen beachten bitte auch die Srilonischen Einreisebestimmungen, die für sie eine dreiwöchige Quarantäne nach Einreise vorschreiben.
24.7.08 15:55


Frauendiskriminierung mitten in Deutschland

Gern betätige ich mich in meiner Freizeit als Hobbyfeminist. Es gibt mir viel, wachen Auges durch die Lande zu streifen und Missstände entsprechenden Institutionen zu Gehör zu bringen. Niemand ist dafür besser geeignet als ein Mann, denn Frauen sind in dieser Beziehung doch ein wenig befangen und emotional zu sehr beteiligt.
Schon seit gut zwanzig Jahren fröne ich diesem schönen Hobby, das ich ursprünglich als selbstgewählte Aufgabe auf mich nahm und auch heute noch als wichtigen Beitrag für das soziale Gefüge zwischen Mann und Frau empfinde.
Überaus positiv empfinde ich, dass ich während der ganzen Zeit keinem einzigen Beispiel für Diskriminierung begegnete. Es hat sich also viel getan in Deutschland!
Doch gestern wurde diese positive Überzeugung bis in die Grundfesten erschüttert. Zwar nur ein Einzelfall, aber man sollte mit so einer Arbeit schon im Kleinen beginnen.
Jedenfalls war ich am Wochenende in Hamburg, einer eigentlich modernen und sehr aufgeschlossenen Stadt in Deutschlands Norden - malerisch gelegen an der Elbe, die idyllisch im Riesengebirge entspringt und sich in die Nordsee ergießt. Wie jedes Wochenende entschloss ich mich zu einem Bummel durch die dortige Herbertstraße. Sie ist ein gutes Beispiel Hamburger Stadtkultur mit geschichtlichem Fundament, und ich genieße es stets, dort zu promenieren und mit Muße die vielfältigen und lebendigen Auslagen in den Schaufenstern zu betrachten.
Ein kleines Schild, das ich normalerweise nicht beachtet hätte, fing meinen Blick: “Kein Zutritt für Frauen”, stand dort. In Druckbuchstaben. Heiße Empörung wallte in mir hoch - unverständlich dieses Schild der Senatsverwaltung, das den Zutritt nur noch auf Männer und Kinder beschränkte. Und das in der heutigen Zeit. Besonders verwerflich empfinde ich es, ein solch kleines Schild dermaßen versteckt anzubringen, nur um die Diskriminierung im Verborgenen zu halten. In seiner Bedeutung ist das jedoch grober Vorsatz.
Auf dem örtlichen Polizeirevier, das sich gleich um die Ecke befand, wollte ich diesen Umstand zur Anzeige bringen. Dort jedoch begegneten mir die Beamten mit Arroganz und Renitenz. Das Schild würde schon seit über dreißig Jahren dort hängen, und offensichtlich war niemand gewillt, zu diesem Tatbestand eine Anzeige aufzunehmen. Man schickte mich dort von Dezernat zu Dezernat, ließ mich lange warten und zuweilen hatte ich tatsächlich den Eindruck, man würde mich auslachen. Erst eine mitfühlende Beamtin in Zivil versprach mir nach einem tiefen, von Notizen geprägten Gespräch, sich meiner Sache anzunehmen.
Auf diesem Wege möchte ich mich bedanken bei dieser unbekannten aber engagierten, jungen Frau, die mit ihrem Mut beispielhaft dafür sorgte, dass ich meinen Glauben an die Diskriminierung nicht gänzlich verlor.
24.7.08 15:58


Kontaktanzeigen-Zuschrift

Verehrte, gnädige Unbekannte...

DA BIN ICH! Seit über zwanzig Jahren schon antworte ich vergebens auf Bekanntschaftsanzeigen. Aber ich bin sehr zuversichtlich, Ihre Annonce gab mir wieder Hoffnung. Die Ironie in Ihrem Text habe ich wohl begriffen, ich schätze solcherart feinsinnig-weibliche Humorigkeit sehr.
Ich gelte als gutaussehender Herr in mittleren Jahren mit Stil und Niveau und sehr viel Charme. Ich bin intelligent und grundsolide. Ich fröne eher elitären als profanen Genüssen. Als hoffnungsvoller Spross einer Beamtenfamilie gelang es mir schon früh, mich den Widrigkeiten des Lebens verantwortungsvoll und mit Kraft zu stellen. Meine edle Mutter habe ich sehr geliebt! Sie war mir immer ein guter Kamerad und zuverlässiger Weggefährte. Der Vater verließ uns schon früh. Er ging als Söldner in die ehem. Kolonien und starb dort an Schwindsucht. Geschwister habe ich keine.
Ich habe nicht nur eine bedeutende Stellung in meinem Amt, sondern dadurch auch in der Gesellschaft. Noch heute bin ich meiner Mutter dankbar, dass sie mir in jungen Jahren den Besuch eines humanistischen Gymnasiums ermöglichte. Dort lernte ich nicht nur, was Zucht und Ehre für einen deutschen Mann bedeuten können, sondern erlangte auch den mir ganz eigenen Stolz, der mich heute so männlich wirken läßt.
Meine Mutter war es, die mich vor meiner ersten Vermählung (mit einer Bürgerlichen!) warnte. Hätte ich ihr nur geglaubt. Aber in dieser schweren Zeit war sie immer für mich da, stand mir mit ehernem Willen, mit Rat - aber auch Trost - geduldig zur Seite. Glücklicherweise kam meine Gemahlin dann schon bald bei einem Droschkenunfall zu Tode. Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor.
In den nächsten 18 Jahren nahm ich Wohnung bei meiner geliebten Frau Mutter - das allein spricht wohl schon für meine Solidität. Toleranz ist eine meiner herausragenden Tugenden. Aber nur ungern frequentiere ich Lokalitäten, in denen sich das gemeine Volk aufhält. Ich habe nichts gegen diese Leute, aber aufgrund meiner Bildung und Kultiviertheit widerstrebt mir jeder Fraternisierungsgedanke mit diesem - verzeihen sie mir gütigst den unflätigen Ausdruck: - Pöbel.
Meine Mutter - eine aufrechte Frau (die ich übrigens sehr liebte) - war eine wahre Künstlerin, was das Kochen betraf. Nie werde ich ihre Dillklößchen in Buttersauce vergessen. Leider verstarb sie viel zu früh im blühenden Alter von 93 Jahren.
Körperlich bin ich „fit", wie man heute salopp sagt, aber ich hinke ein wenig (eine alte Kriegsverletzung). Trotzdem nehme ich am öffentlichen Leben regen Anteil. Kameradschaftsabende schätze ich sehr, und mit Freude besuche ich Opernkonzerte, liebe das Ballett, stehe aber auch modernen Vorträgen über z. B. Waffentechnik und Heerestaktik sehr aufgeschlossen gegenüber. Meine Mutter war es, die das Interesse dafür in mir weckte. Ich habe sie sehr geliebt.
Stets sind wir ohne Dienstboten ausgekommen. Obwohl es manchmal doch sehr beschwerlich war, hat meine Mutter es aufopfernd und ohne zu klagen geschafft, uns beiden den Haushalt zu führen. Es war ein hartes Los, aber diese harte, schwere Arbeit tat ihrer Schönheit keinen Abbruch.
Liebste Unbekannte (sie scheinen mir nun schon so vertraut...), ich suche eine Frau wie Sie, voller Klugheit und natürlicher Schönheit, bei der ich Ruhe und Geborgen¬heit finde. Gern biete ich ihnen nicht nur meine starke Schulter, sondern auch mein Heim, dem es - ich will es nicht verhehlen - an der ordnenden Hand einer liebenden Frau mangelt. Und ich mache ihnen dieses verlockende Angebot nicht ohne mein Ehrenwort, ihnen ewige Dankbarkeit zu beweisen, wie sie auch meine Mutter stets von mir erfahren hat. Und wenn nicht nur innere Werte, sondern auch ein gewisses Geldvermögen zu Ihren Tugenden zählen sollte, würde es mich freuen, es für Sie verwalten und mehren zu dürfen.
Ihre geneigte Offerte richten Sie gnädigst an nachstehende Anschrift...
24.7.08 16:00


Weihnachten kommt immer ganz plötzlich

25. Dezember
„Uff,“ der erste Weihnachtstag. Jetzt kann ich mich ein wenig zurück lehnen. Mein Blick schweift über die Berge von Geschenken, den Weihnachtsbaum und durch das geschmückte Zimmer. „Gut gemacht, Mann! Mal wieder alles geschafft,“ lobe ich mich selbst. Obwohl... ein wenig eng war`s zum Schluss ja doch. Weihnachten kommt immer so plötzlich! Im nächsten Jahr jedenfalls werde ich alles anders machen und rechtzeitig mit den Weihnachtsvorbereitungen beginnen.

26. Dezember
Ein wenig belustigt es mich schon, bereits jetzt mit den ersten Gedanken beim nächsten Weihnachtsfest zu sein. Aber besser zu früh als zu spät. Weihnachten kommt zwar immer plötzlich, aber im nächsten Jahr bin ich cleverer!

1. Januar
Vieles habe ich mir vorgenommen für das neue Jahr. Dabei weiß ich genau, dass die meisten Vorsätze in 14 Tagen schon vergessen sind. Aber Weihnachten... Jaaaa, das hab’ ich ganz fest im Kopf. Nur noch 348 Tage. Normalerweise kommt Weihnachten nämlich immer ganz plötzlich.

7. Februar
Mein Geburtstag. Geschenke. Und ein willkommener Anlass, sich schon jetzt über die Weihnachtsgeschenke einen Kopp zu machen. Weihnachten kommt nämlich immer ganz plötzlich. Aber nicht bei mir! Ich hab’ mir ein Buch gewünscht zum Thema Geschenke. Ein Tipp daraus: Schon das ganze Jahr zuhören, was die Lieben sich so wünschen. Und das denn auch beizeiten kaufen. Dann hat man was. Ich werd’ was haben!

3. März
Der Geburtstag meiner Mutter. So ganz hat das noch nicht geklappt mit dem „Zuhören“ und damit, rechtzeitig das passende Geschenk zu besorgen - meine Schwester musste einspringen. Aber ich bin ja auch noch Anfänger. Immerhin weiß ich schon von dem Phänomen, dass Weihnachten immer ganz plötzlich kommt.

7. April
Ich find’s irgendwie cool, zwischen den Ostervorbereitungen schon an die Weihnachtsgeschenke zu denken. Meistens kommt Weihnachten nämlich ganz plötzlich. Und die Menschen, die meine Weitsicht nicht haben, werden am Heiligen Abend ganz schön belämmert da stehen. Oder gestresst.

28. Mai
Das Pfingstwochenende hat uns mit wärmendem Sonnenschein hinaus gelockt. Bei einem Spaziergang mit meiner Frau ertappe ich mich im Denken an das nächste Weihnachtsfest. Während sie über die Planung des Sommerurlaubs redet, freue ich mich insgeheim darüber, wie überrascht sie in diesem Jahr über die Weihnachtsgeschenke sein wird. Sie soll ja alles kriegen, was sie sich wünscht. Das bedarf zwar auch einiger Planung, aber die muss sein. Denn Weihnachten kommt immer ganz plötzlich.

24. Juni
Ein herrlicher Strandtag. Während die Kinder im Wasser toben, meine Herzallerliebste ihre Hera Lind verschlingt und meine Haut sich langsam rötet, stelle ich mir vor, wie beglückt die Familie in einem halben Jahr zu mir herüber schauen wird. Das ist ein gutes Gefühl; es bestärkt mich darin, dass Vorfreude doch die schönste Freude ist. Und die wird nur noch verstärkt durch das Wissen um das kleine Geheimnis, dass Weihnachten immer ganz plötzlich kommt.

18. Juni
Komisch, durch den Sommerurlaub ist man doch ziemlich weit weg vom Thema Weihnachten. Aber ich denke, das macht nix. Eine Auszeit muss auch mal sein. Schließlich denke ich ja schon das ganze Jahr an Weihnachten. Es genügt wohl, wenn ich die eherne Lebensregel nicht vergesse: Weihnachten kommt immer ganz plötzlich!

21. August
Die Tage werden langsam wieder kühler und kürzer. Ich denke mit Schaudern an die kommende dunkle Jahreszeit und daran, dass in wenigen Wochen schon die ersten Weihnachtsleckereien in den Regalen der Supermärkte auftauchen werden. Wie immer viel zu früh. Andererseits... lieber zu früh als zu spät. Wenn man bedenkt, dass Weihnachten immer ganz plötzlich kommt...

30. September
Tatsächlich bin ich beim Einkaufen an den ersten Schokoladen-Weihnachtsmännern vorbei gelaufen. Nun gut! Ich werde mich also auch langsam auf Weihnachten konzentrieren. Ehrlich gesagt habe ich noch nicht die leiseste Idee, aber ich weiß ja, wie man damit umgeht und wie man es umgeht, dass Weihnachten immer ganz plötzlich kommt.

12. Oktober
Mit meinem Ältesten war ich in der Stadt. Da hat’s das erste Mal geklappt mit dem Zuhören. Er wünscht sich ein Moped. Und eine Stereoanlage. Eine Spielekonsole, einen Computer, einen Fernseher mit DVD... Womöglich habe ich noch nicht richtig zugehört. Es ist ja auch noch Zeit. Obwohl: Weihnachten kommt ja immer ganz plötzlich. Aber schon mehr als nur ein Anfang ist schließlich gemacht.

9. November
Jetzt bin ich in der richtigen Stimmung! Ich hab’ die Winterreifen aufgezogen – der Schnee kann kommen. Und der Kofferraum ist sauber, die alte Pferdedecke liegt drin. So ist der Transport des Weihnachtsbaumes schon jetzt, selbst bei widrigen Wetterverhältnissen, kein Problem mehr. Es tut gut, sich auf Weihnachten vorzubereiten. Ich kann’s mir also erlauben, mit Häme an jene Zeitgenossen zu denken, für die Weihnachten immer ganz plötzlich kommt.

12. Dezember
Nun wird’s aber langsam Zeit. Irgendwie hat das mit dem Zuhören noch nicht so richtig hingehauen. Ich werd’s also ein letztes Mal mit einem behutsamen „Sag’ mal, was wünscht du dir eigentlich?“ versuchen. Man muss ja nicht alles auf Anhieb beherrschen. Im Grunde bin ich sogar dankbar, dass ich auch im nächsten Jahr noch wachsen kann. Immerhin habe ich verinnerlicht, dass Weihnachten immer ganz plötzlich kommt, und halte das für einen eminent wichtigen Schritt dorthin, meine Einstellung zum Weihnachtsfest zu überdenken. Diese Erfahrung darf nicht jeder machen.

24. Dezember
Die „Bestandsaufnahme“ am gestrigen Abend war verheerend. Ich hätte schwören können, dass meine Frau absprachegemäß die Geschenke für meine Eltern zu besorgen hätte, wohingegen sie der Meinung war, ich hätte das in die Hand genommen. Und für die Jungs fehlen auch noch ein paar Kleinigkeiten. Dabei wollte ich mir diesen Weihnachtseinkaufsstress heute ersparen und nur noch schnell etwas für meine Herzallerliebste besorgen. Bisher bin ich dazu nämlich noch gar nicht gekommen, Weihnachten kommt aber wirklich immer ganz plötzlich. Und dann machen heute auch noch die Geschäfte so früh zu – verbraucherfeindlich, wie die Öffnungszeiten sind. Naja, bis 14 Uhr hab’ ich ja. Und das Parfüm kann ich ja einpacken lassen. Es ist ja eh’ teuer genug, und so spare ich ein wenig Zeit dafür, den Weihnachtsbaum noch zu besorgen.
In diesem Jahr kam Weihnachten wirklich etwas plötzlich. Ich weiß, ich krieg’s irgendwie wieder hin. Aber im nächsten Jahr mach’ ich das so nicht mehr mit!
Ich nicht!
30.4.06 18:09


Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Den ganzen Tag habe ich es gespürt. Mittags fing es leicht an zu drücken unter der Sohle, und wie ein Geschwür schien sie zu wachsen, die Blase. Ich kam während der Geschäftszeit aus den Schuhen nicht heraus, und so konnte sie sich entfalten und wachsen. Dabei hatte ich das Gefühl, umso mehr ich sie ignorierte, desto mehr baute sie sich auf. Aber ich bin ja nicht umsonst ein Mann - ein Indianer kennt keinen Schmerz.
Obwohl... ein wenig tat es schon weh. Aber der Fuß wurde ein wenig verkantet, und so klappte es mit dem Laufen trotz dieser Einschränkung ziemlich gut. Es waren ja nur noch ein paar Stunden bis zum Feierabend, die ich die hämischen Bemerkungen meiner Kollegen ertragen musste. Was wussten die schon von Tapferkeit.
Der Heimweg gestaltete sich schwierig, weil durch die einseitige Belastung mittlerweile der ganze Fuß schmerzte. Zunächst überlegte ich, ein Taxi zu nehmen, entschloss mich aber dann doch, mit zusammengebissenen Zähnen an der Bushaltestelle auszuharren. Zu Hause angekommen fühlte mich deshalb zwar ein wenig angegriffen, aber ich war auch Stolz darauf, es geschafft zu haben.
Auf der Couch sitzend zog ich behutsam den Schuh aus, um den Fuß nicht noch mehr zu schädigen. Unter Vermeidung eines Blutstaus bettete ich ihn sodann auf einem Kissen, das ich zur Unterstützung seiner Ruhestellung auf den Wohnzimmertisch gelegt hatte. Ein wenig erschöpft lehnte ich mich dann zurück, um die nächsten sinnvollen Schritte zu durchdenken.
Die schwierigste Aufgabe war es wohl zunächst, den Strumpf vom Fuß zu entfernen. Ich könnte den Strumpf vom Fuß schneiden. Das könnte ich aber auch der fachlichen Kompetenz der Sprechstundenhilfe meines Hausarztes überlassen - oder sollte ich gleich sinnigerweise einen Chirurgen konsultieren?
Das Damoklesschwert einer Krankmeldung schwebte vor meinem geistigen Auge. Aber auch der gefährliche Weg, den es brauchte, dort hin zu kommen. Also entschloss ich mich zunächst zur Eigentherapie, so unvernünftig das auf den ersten Blick auch erscheint. Aber ein Indianer kennt ja keinen Schmerz.
Als ich die Socke vom Fuß zog, war ich mir der Gefahr bewusst, die Haut in Streifen abzuziehen. Doch wider Erwarten ließ der Strumpf sich schadlos entfernen. Etwas lindernd wirkte dann die Luft, die die Sohle frei umfächeln konnte. Ich konnte wieder ein wenig klarer denken.
Ein Blick auf die Wunde war wohl kaum möglich. Zunächst grauste es mich davor, und ich wollte Fuß und Bein durch das Heranziehen nicht noch über Gebühr beanspruchen und einen eventuellen Krampf riskieren. Der Schlafzimmerspiegel war eine gute Idee. Ganz vorsichtig stand ich deshalb auf, hinkend bewegte ich mich zum Schrank im Flur, in dem ich das Bügelbrett wußte. Dieses benutzte ich dann als Krücke, um den Weg ins Schlafzimmer bewältigen zu können, wo ich mich dann langsam auf das Bett gleiten ließ. Lang ausgestreckt quälte ich mich in eine Position, aus der ich die Unterseite des Fußes in der Spiegeltür des Schlafzimmerschrankes betrachten könnte.
Auweia! Was für’n großes Ding. Weltrekord wahrscheinlich. Verwunderlich, dass ich damit überhaupt noch in der Lage gewesen war, mich fort zu bewegen.
Was sollte ich nur tun? Laut um Hilfe rufen? Mit meiner Mutter telefonieren? Nee, die würde wieder versuchen, mich mit Fencheltee und geriebenem Apfel zu kurieren. Eine Freundin oder einen Freund mit meiner Verwundung belasten? Meine Geschwister in Angst und Schrecken versetzen?
Nein, es würde nichts nützen, mein Leid auf andere zu übertragen. Ich würde da wohl selbst durch müssen. Es würde zwar entsetzlich, das alles allein durchzustehen, doch auch dieses Opfer wollte ich gerne noch bringen für die Menschen, die ich liebte. Solcherart zum Märtyrer erhoben gewann ich wieder ein wenig Kraft, die nächsten Schritte zu bedenken.
Aufstechen war der nächste Gedanke. Doch das Risiko einer Blutvergiftung schien mir unangemessen hoch. Aber auch ein unbehandeltes Dahinsiechen schien nicht dir richtige Lösung zu sein.
Ein Fußbad, für dessen Vorbereitung ich fast zwei Stunden brauchte, verschaffte ein wenig Linderung. Während der zwölfeinhalb Minuten in handwarmem Wasser, die ich dem Fuß gönnte, schnitt ich ein Bettlaken in breite Streifen, um mir selbst Verbände anlegen zu können. Danach tupfte ich den Fuß vorsichtig ab, ließ den Rest an der Luft trocknen, und trotz des wilden Schmerzes, der brennend meinen ganzen Körper zu durchtosen schien, schaffte ich es, ein wenig Salbe auf der Verwundung aufzutragen. Dann wechselte ich das T-Shirt, das völlig durchgeschwitzt war.
Es gestaltete sich ziemlich schwierig, die Lakenlappen ohne fremde Hilfe um den Fuß zu schlingen. So war es schon weit nach Mitternacht, als ich endlich mit Hilfe meines Bügelbretts ins Schlafzimmer wanken konnte, um wohlverdiente, heilsame Ruhe zu finden. Starke Schmerztabletten sollten mir dabei helfen.
Als ich erwachte, horchte ich in mich hinein, ob ich ein Brennen im Bein verspüren würde. Nein. Und auch bei näherer Untersuchung zeigte sich kein roter Streifen, der sich an ihm hinaufzog. Ein tiefer Seufzer löste sich aus meiner Brust. Ich hatte überlebt!
Der Blick über den Spiegel zeigte, dass diese Riesenblase, dich mich gestern noch schier auffressen wollte, sich zu einem schlaffen Hautlappen zurück gebildet hatte. Ich stand auf und versuchte die ersten Schritte – erst mit, dann sogar ohne Bügelbrett. Ohauehaueha, ich konnte wieder gehen! Wenn auch nur eingeschränkt, da der ganze Fuß noch schmerzte, doch wurde ich so zuversichtlich, selbst den Weg zur Arbeitsstätte bewältigen zu können.
Den Gedanken einer Sandale am unbedeckten, rekonvaleszenten Fuß gab ich schnell auf, draußen hatte es geschneit. Also die weichsten Socken herausgesucht und die weitesten Schuhe, dich ich hatte.
Im Büro angekommen fiel es natürlich sofort auf, wie schleppend ich den Fuß hinterher zog. Doch auf die teilnahmsvollen Fragen meiner Kollegen erwähnte ich nur eine kleine Blase, ohne etwas von meinem Leidensweg zu erzählen. Schließlich: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Es tat mir wohl, so tapfer gewesen zu sein.
Hoffentlich hielt das Schicksal nicht noch einen Rückfall für mich in petto.
30.4.06 17:37


 [eine Seite weiter]




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung