Startseite
    Gedichtetes
    Nachdenkliches
    Märchenhaftes
    Gefühlvolles
    Alltägliches
    Sensibles
    Humoriges
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


 
Links
  Hänschen
  samtstimme


http://myblog.de/ernuwieder

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Gefühlvolles

Im Rausch der Musik

Ich nehme schon deine Hand, lege die andere leicht auf deine nackten Schulterblätter und schaue dich dann an, den Einsatz der Musik erwartend.
Das Vorspiel ist sehr kurz – Zeit, noch schnell zu schauen ob du bereit bist und dir aufmunternd zuzulächeln, dann ist der erste Takt aus der Musik zu vernehmen. Ein kurzes Wiegen in den Hüften, ein leichter Druck, und gleichzeitig beginnen wir. Die ersten Schritte sind noch ein wenig steif – zwar in gleichmäßigem Takt, doch vorsichtig noch und mit angedeuteter Distanz. Kleines, beiderseitiges Grinsen, als sich unsere Füße sozusagen knapp verfehlen, doch dann scheinen wir zusammen zu wachsen. Mit jedem Takt und Schritt wächst die Harmonie und die Sicherheit. Mehr und mehr vergessen wir das Denken an das Tanzen und beginnen, zu tanzen...
Meine Hand rutscht von deiner Schulter auf deine Hüfte. Du bist so besser zu spüren für mich, leichter zu führen. Nur in der Drehung noch hält meine Hand dich in den Schultern, damit du dich hineinlegen kannst in den Schwung.
Meine Führhand redet mit der deinen, eine ganz subtile Kommunikation, die du ohne Worte verstehst. Du weißt, wohin ich will, und du weißt, wie ich es will. Mit wachsendem Vergnügen folgst du mir zunächst, lässt mich bald jedoch spüren, dass noch viel mehr möglich ist.
Ich sehe das Lachen in deinen Augen und sehe sie genauso lebendig, wie deine Hüfte meiner Hand sich zeigt. Von Distanz ist nichts mehr zu spüren. Du bist mir so nah wie du mir nah kommen musst, um in der Harmonie bei mir zu sein. Waren unsere Bewegungen anfangs abtastend und behutsam, gewinnen sie stetig an Energie und lassen diesen schlichten Tanz schließlich zu verschmelzender Leidenschaft werden. „Wir“ sind nur noch Takt und Tanz, hören keine Melodie, sehen nur noch uns. Es saust in meinen Ohren, und deine Haare fliegen.
Mehr und mehr beginnen wir, über die Tanzfläche zu fliegen. Schon lange fühle ich dich kaum noch, leicht wie eine Feder scheinst du geworden zu sein. Die Harmonie hat sich in Selbstverständnis gewandelt, und das funktioniert auf eine wunderbare Art.
Als das Musikstück dem Ende entgegen geht, tauchen wir langsam wieder ein in das Hier und jetzt. Sie ist wieder als Melodie zu hören, die Musik, und nicht nur als Takt. Menschen um uns tauchen auf, die miteinander reden beim Tanzen, Gläser klirren und ich spüre mich ein wenig erhitzt durch den Tanz, den wir langsam ausklingen lassen.
In der kurzen Pause, die folgt, behalten wir unsere Tanzposition bei. Nur ist das Lächeln jetzt hinzugekommen. Die Freude auf den nächsten Tanz...
29.7.08 15:05


Brief an eine Unbekannte

Geliebte Unbekannte,
unbekannte Geliebte,
es ist nicht leicht, diese Zeilen zu beginnen. Und es ist nicht schwer, denn du bist „da“. Es ist, als würdest du hinter mir stehen, eine Hand auf meiner Schulter, und ruhig und geduldig dabei zusehen, wie Buchstabe für Buchstabe dieser Brief entsteht.
Es ist nicht leicht, weil ich dir so viel zu sagen habe, ohne zu wissen, was überhaupt ich dir sagen will. Ich fühle nur. Und mit diesem Fühlen möchte ich dich berühren, so, wie du gerade mich berührst. Spürst du’s?
Deine Hand auf meiner Schulter gibt mir Kraft, und diese Kraft ist es, die mich dich spüren läßt. Ich kann dich riechen, mit deiner Kraft, ich kann dich schmecken, fühlen, hören und sehen. Ich weiß genau, wie deine Augen schauen, und wie deine Stimme klingt. Dein Körper wird lebendig, und dein Geist hüllt mich ein...
„Ja, Mensch!“, möchte ich fast sagen, jetzt, wo deine Hand meine Schulter drückt, weil ich abzudriften beginne. Schmunzeln müssen wir beide darüber, ich weiß. Statt „Geist“ wäre es dir lieber, ich würde über Lebendigkeit erzählen. Oder über Wärme reden. Oder dich zum Lachen bringen.
Ich mag dein Lachen. Es ist eigentlich (fast) nie ausgelassen, allerdings auch nicht besonders kontrolliert. Du lachst gern – lieber zumindest, als dass du weinst. Doch es ist selten, dass dich ein Witz zum Lachen bringt. Am liebsten ist es dir, du lachtest aus Glück. Oder zumindest gemeinsam. Es muss schön sein, gemeinsam mit dir zu lachen.
In deiner Stimme fühle ich mich wohl. Obwohl sie mich treiben oder antreiben könnte, wird sie nie „benutzt“ – du läßt sie „leben“, weil sie lebt. Weil du lebst.
Ich höre sie weich und warm, zärtlich oder erregt. Immer ist sie klar und stark, selten nur laut. Ich mag’s, wie sie meinen Namen flüstert, spricht oder ruft. Ich weiß, ich gehöre zu dir.
Deine Hände... warm wie deine Stimme. Fein, gefühlvoll, und doch können sie zupacken. Sie können viel geben: Halt oder Hilfe, Trost oder Wärme, Zärtlichkeit oder Liebe. Sie sind dir zwar nicht so wichtig wie es dir die meinen sind, aber mit ihnen, deinen Augen und deiner Stimme bist du „Du“.
Viel feiner als es deine Stimme kann, können deine Augen ausdrücken, was du sagen willst. Allerdings sind sie auch deine Verräter, denn zuweilen erzählen sie das, was du gar nicht erzählen willst. Sie sind dein stärkstes Ausdrucksmittel. Ich liebe es, wenn sie mich anlachen oder gar anstrahlen. Ich liebe dich, wenn sie mich lächelnd tadeln. Aber es tut weh, sehe ich sie feucht – auch, wenn es Freude sein sollte, die sie nässt. Oder Glück. Dann allerdings ist dieser Schmerz süß.
Du läßt gern spielen mit dir. Es macht dir Freude, wenn ich innerst an deinen Zöpfen ziehe, ohne dir weh zu tun, oder dir einen liebevollen, aufmunternden Klaps auf den Hintern gebe. Du magst es, berührt zu werden von mir. Nicht nur mit den Händen, sondern auch mit nur einem Wort, einem Blick oder einem Gedanken.
Wie mit deinem Geist läßt es sich trefflich mit deinem Körper spielen – nicht, weil ich’s kann, sondern weil du’s willst. Wie die Saiten einer Gitarre reagieren die Sehnen, Muskeln und Nerven auf die Berührungen meiner Hände oder meines Mundes. Ich kann dich lebendig machen mit meinen Händen, treiben, aber ich kann dich auch kosen mit ihnen. Oder halten. Und ausruhen kannst du an meiner Schulter.
Es ist fast eine Umarmung, wie ich denke, wie ich fühle. Ganz fest habe ich dich im Arm, schaue in deine Augen und bin zu Hause.
Heimgekommen.
24.7.08 15:52


Am Fenster

An „Das Warten auf Godot“ erinnert mich dieser Moment. Es ist angenehm, mit dir auf jemanden zu warten, von dem man weiß, dass er nicht kommt...
Du hast am Fenster gestanden und ganz verträumt hinausgeblickt. Ein Glas Wein in der Hand, dich leicht wiegend im Takt von „Dream a little Dream of me“ der Mamas and Papas – obwohl du zu mir hinüber schautest und dabei lächeltest, wusste ich, dass du auch anderes siehst. Zu warm blickten deine Augen durch mich hindurch. Auf diesen Blick hin habe ich mich erhoben, bin hinter dich getreten, habe dich mit dem rechten Arm umfasst und meinen Körper deinen wiegenden Bewegungen angepasst.
Warm und weich spüre ich deinen Körper in der Hand, dein Kopf liegt an meiner Wange. Leise summst du die Melodie mit, während ich versuche, deinen Gedanken zu folgen, die sich jenseits der Fensterscheibe zu befinden scheinen. Auf den ersten Blick ist nur das zu sehen, was wir immer sehen: die Straße, das gegenüberliegende Haus, der gelbe Briefkasten an der Bushaltestelle. Der Herbstregen lässt den Tag trist wirken, und ein heftiger Windstoß fegt die Straße hinunter, dass sich meine Schultern trotz der Wärme im Zimmer fröstelnd kurz zusammen ziehen.
Zusammengekauert stehen die Menschen an der Haltestelle, den Rücken gegen den Wind gedreht. Eine Frau kämpft damit, ihren Regenschirm vor dem Überklappen zu bewahren, und ein Mann mit Hund geht dicht an der gegenüberliegenden Hauswand entlang, eine Kapuze über dem Kopf und die Hände tief in den Taschen seines Parkas verborgen. Die Autos fahren mit eingeschaltetem Licht und winkenden Scheibenwischern gischtend an unserem Fenster vorbei. Es scheint eine andere Welt zu sein - dort draußen - als hier drinnen. Oder: andere Welten? Jedenfalls habe ich auch schon Schnee gesehen durch dieses Fenster, Eis auf der Straße und tollende Kinder. Oder Sonne, die im Sommer dafür sorgt, dass ich mich über Frauen in luftiger Kleidung freuen kann, über fröhliche und weniger hektische Menschen – Sonne scheint zufriedener zu machen als Regen.
Ich sehe die Freunde und Gäste, die uns besuchten, die Straße entlang kommen. Ich sehe dich, wie du mit einer Freundin vom Stadtbummel kommst. Ich sehe die Kinder an der Haltestelle aus dem Bus steigen und fröhlich herüber winken. Ich sehe mich, wie ich die Colakisten aus dem Auto lade oder das Gepäck für den Urlaub verstaue...

War das Glück? Innerlich lächelnd stand sie da, den Blick dem Fenster zugewandt. Doch da war nichts, was sie sah, weil ihr Blick nach innen gerichtet war - sie schaute sich ihre Gefühle an. Es war warm in ihr und sie fühlte sich leicht. Sicherheit spürte sie, Zufriedenheit und Vertrauen. Alles, was sie sah, war bunt, lebendig. Die Geborgenheit, in der sie sich wähnte, die Wärme des Zimmers und die guten Erinnerungen, die die Musik der Mamas & Papas auslösten, ließen ihren Körper sich leise wiegen. Fast war es ihr, als würde sich ein inneres Lächeln in ihr bilden, das sich in einem Seufzer löste, als sie seinen Arm um ihren Körper spürte. Nur kurz streiften ihre Augen erst grauen Himmel, dann warme Augen, doch dann konnte der innere Blick noch tiefer tauchen.
Und das innere Lächeln fand in ihrem Gesicht seine Fortsetzung.
24.7.08 16:04


Das Bild eines Kindes

Nun sitze ich vor diesem Bild. Vor einem Bild, das mein kleiner Sohn für mich malte. Es ist ein wenig krickelig und wirr und sehr bunt, es sieht ihm ähnlich. Lächelnd sehe ich ihn vor mir, wie er mit seinen strahlenden Kinderaugen und einigen abgekauten Buntstiften um sich herum auf dem Fußboden kniend immer tiefer in seine Malerei versinkt und sich schon freut über die Freude, die er damit geben will.
Ich denke zurück an eigene Malereien. Sie alle waren Gaben, waren Gefühle. Oder Träume. Immer, wenn ich als Kind für jemand anderen malte, habe ich ihm nicht nur ein Bild, sondern ein Stück von mir geschenkt und damit meine Liebe erklärt.
So wird auch langsam das Bild meines Sohnes deutlicher, ohne daß ich die Zeichnung betrachten muß. Denn es steckt so sehr viel mehr im Bild eines Kindes, als man sehen kann.
30.4.06 17:56


Mein Weihnachtslicht

Es war Winter, der eisige Wind trug einen Hauch nahenden Schnees in die Stadt und berührte dabei auch den kleinen Kerl, der sich mit glänzenden Augen und roten Ohren die Nase plattdrückte am eisblumenverzierten Schaufenster des Spielwarengeschäfts. Um ihn herum hetzten die Menschen, Weihnachtspakete unter den Armen - Ungeduld im Sinn und Hektik im Schritt. Der Junge sah es nicht, und niemand bemerkte das Kind, das lächelnd den Blick nicht von dem wenden konnte, was es sah: Ein Schienenkreis, auf dem sich endlos eine kleine Dampflokomotive mit Tender, Personen- und Packwagen bewegte. Ein Bahnhof aus Plastik, drei Kühe und eine Schranke, die sich unermüdlich öffnete und schloß, in der Mitte, darüber hing an seidenen Schnüren ein bunter Karton.
Es waren nicht die vielen Lichter oder der Blick auf ein günstiges Angebot, das mich stehenbleiben ließ. Es war das Gesicht des Jungen. Trotz des Windes schien es erhitzt, sein Lächeln leuchtete von Innen heraus, und mit dem Glanz seiner Augen schien er den Glaskasten umfassen zu wollen - ich wußte, hier wird ein Weihnachtswunsch geboren.
All das ist ein paar Jahre her, aus dem Knaben wird wohl heute ein Mann geworden sein. Doch immer zur Weihnachtszeit, wenn die Hektik der Einkäufe mich zu überrollen scheint, halte ich inne und denke an das Leuchten im Gesicht dieses Jungen. Ein Leuchten, das ich für immer als beeindruckendstes Weihnachtslicht in mir festhalten werde.
30.4.06 18:11


Der Hochzeitstag

Für beide war's ein besonderer Tag – Marie hatte sich schon lange darauf gefreut, und Hänschen hatte ihn endlich mal nicht vergessen. Sie hatten sich zum Frühstück kleine Geschenke gemacht und wollten an diesem Samstag im November einfach nur mal für sich sein.
Schon das Frühstück zog sich in die Länge, und irgendwie war's ein bisschen so wie früher, als es die Kinder noch nicht gab. Die waren an diesem Wochenende bei den Großeltern, das war deren "Geschenk" zum 16. Hochzeitstag.
Kein Platz sollte heute sein für den Alltag, und so genossen beide die Ruhe, die aus dem Beisammensein entstand, und die wohlige innere Wärme, die sich einstellte. Hänschen verzichtete aufs Zeitung lesen, und Marie sah davon ab, sogleich den Frühstückstisch abzuräumen und in Geschäftigkeit auzubrechen.
Die Sonne schien ins Zimmer. Ein herrlicher Herbsttag bahnte sich an. Gemeinsam wurden Frühstückstisch und Küche aufgeräumt, dann eingekauft, ein Spaziergang im nahen Wald gemacht, und aus dem Nachmittagsschläfchen wurde ein Schäferstündchen. Sie genossen es beide sehr, sich und dieses Füreinander fühlen wieder zu entdecken, das im Alltag kaum noch Platz findet. Ganz nah schienen sie sich dann wieder bei der Tasse Kaffee auf der Couch - mit Kerzen, die die heute schon früh einsetzende Dämmerung erhellten.
Hänschen ließ Badewasser ein, und auf Maries verwunderten Blick antwortete er: "Dies wird dein Abend, ich schenk' ihn dir." Als sie dann lang ausgestreckt im schaumigen Badewasser lag, betrat er das Badezimmer mit geheimnisvollem Blick und einem Hocker, auf das er ein Glas Rotwein stellte und einen kleinen Eisbecher. Ein zarter Kuss vor dem Hinausgehen - und dann vernahm sie erstaunt und erfreut das Klappern von Töpfen und Geschirr aus der Küche.
"Auweia, wie wohl die Küche wieder aussehen würde", schmunzelte sie in sich hinein, doch sie war viel zu entspannt, sich heute darum kümmern zu wollen.
Den Eisbecher im heissen Badewasser zu schlemmen war eine riesige Idee, und der schwere Kalifornier machte sie ein wenig schweben. Als das Wasser nur noch lau ihren Körper umspülte, stand er plötzlich wieder vor ihr, ein ausgebreitetes weißes Badelaken in den Händen. Es war neu, sich von ihm abtrocknen zu lassen, und irgendwie wollte sie mehr als nur abgetrocknet werden - irgendwie aber auch nicht. Doch etwas bekam sie mehr, denn Hänschen begann nach dem Abtrocknen, ihren Körper mit der Körperlotion einzureiben und sanft zu massieren. Auf jedem Quadratzentimeter ihrer Haut spürte sie die Wärme, die über seine Hände in sie überging. Dann legte er den Bademantel um ihre Schultern und führte sie zur Couch, wo sie immer noch das Kerzenlicht erwartete, Brian Adams von der CD und ein zweites Glas des gefährlichen Kaliforniers.
Sie musste grinsen, wie er sie so liebevoll auf der Couch "drapierte", mit Küsschen hier und Küsschen da, doch sie sah auch die Freude in seinen Augen, dies alles tun zu können.
Der Duft einer Grillente zug aus der Küch in ihre Nase. Nur kurz schaute er hin und wieder aus der Tür um zu sehen oder zu fragen, ob es ihr auch an nichts fehlte.
"Heute möchte ich mit dir tanzen gehen," sagte er fast beiläufig, als er den Tisch deckte. Vor Jahren war es das letzte Mal gewesen, dass sie ihn darum bat und er wieder mal - wie immer - ablehnte. Skepsis wollte sich in ihr ausbreiten, doch ein Blick in sein Gesicht ließ diesen Gedanken schwinden.
Das Essen war klasse, sozusagen – jedenfalls hatte er sich sehr viel Mühe gegeben mit der Broccolisuppe, der gegrillten Ente mit Rotkohl, Kroketten und dem Dessert. Und tatsächlich hieß er sie auch diesmal sitzen bleiben, als er den Tisch abdeckte und begann, in der Küche abzuwaschen. Trotzdem schien er erleichtert, als sie sich zu ihm gesellte und ein Handtuch nahm.
Danach herrschte geschäftiges Treiben. Hänschen sang unter der Dusche, als Marie vor dem Schminkspiegel saß. Und als er dann in seinem grauen Anzug vor ihr stand, mit Hemd und Krawatte, frisch rasiert und mit einem Hauch Marbert Man auf der Haut, freute sie sich darüber, ihn wieder so jung und lebendig zu entdecken.
Sie trug das rote Kleid, dass ihre blonden Haare so vorteilhaft unterstrich. Sein stolzes Lächeln sagte ihr, dass ihm gefiel, was er sah - obwohl er es mal wieder nicht sagte. Trotzdem entdeckte sie neue (oder halt verschüttet geglaubte) Seiten an ihm, als er ein Taxi rief, ihr die Tür öffnete und beim Einsteigen galant die Hand anbot.
Als er sie dann durch das Tanzlokal zum reservierten Tisch führte (wo er ihr sogar den Stuhl zurecht rückte!) schien er um ein paar Zentimeter gewachsen. Marie freute sich über die Blicke der Männer und darüber, dass sie Hans offensichtlich so schmeichelten. Auch tat ihr selbst dieses Beachtet werden unheimlich gut. Aber andersherum ging's auch, denn sie begegnete so manchem verstolenen Frauenblick, der ihrem Hänschen galt.
Der erste Tanz war schön, fast sinnlich. Ganz bewußt fühlten sie sich, rochen sich, und im Gespräch, in dem er mehr und mehr zum charmanten Verführe wurde, badete sie in seinem Augen-Blick. Dadurch wurde es das Strahlen ihrer Augen, dass ihn zu immer keckeren Andeutungen, zärtlichen Schmeicheleien und frivolen Andeutungen verleitete.
Es war unglaublich - war sie nun betrunken oder er? Es begann sie zu ängstigen und zu erregen, ihn so reden zu hören, aber sie presste sich nur näher an ihn, damit er nicht so laut reden musste - vielleicht allerdings auch ein bisschen, um nicht eines seiner Wörter zu verpassen. Schon lange hatte sie sich ihm nicht mehr so nah und und sich selbst so sicher gefühlt.
Auch zwischen den Tänzen sparte Hänschen nicht mit Andeutungen, über die sie stets lachte, die er jedoch ernst zu meinen schien, wenn man seinen Augen glauben konnte. Ja, es waren neue Gedanken. Gedanken, die mehr Lust als Liebe versprachen und sie trotzdem mehr und mehr reizten.
Als er dann in der Sektbar zwischen all den Menschen sie von hinten umarmte, zart auf die Schulter küsste und mit den Händen ihren Schoß berührte, war's um sie geschehen.
"Lass' uns nach Hause fahren," bat Marie lächelnd.
30.4.06 17:53


Abschied im Glück

Du schriebst es in einem letzten Brief: "Genieße den Augenblick des Glücks". Ja, es gab viele dieser Augenblicke mit dir. Und genossen hab’ ich sie wahrlich. Aber weißt du, diese Augenblicke sind eigentlich ein Nichts gegen das Glück der Augenblicke. Denn durch die wirst auch du zu einem Augenblick werden, der glücklich machte, und nicht zu einem Abschied.
Naja, der Abschied... auch ein Augenblick. In einem solchen Glück zu finden, ist sehr schwer. Und doch ist es da, das Glück – wenn auch oft nur für Einen von Zweien. Zunächst jedenfalls. Es hält sich nur ein wenig verborgen. Das Glück darin könnte sein, langes Kämpfen beendet zu haben. Das macht die Augenblicke nach einer Trennung zwar nicht schöner, aber leichter. Das Glück könnte darin stecken, eigene Freiheit zu finden. Oder der Neubeginn – die Chance, die in jedem Abschied steckt – könnte Glück bedeuten.
Ich habe schon viele Abschiede erlebt. Traurige, bittere aber auch leichte. Jedem dieser Abschiede folgte eine Zeit der Besinnung, des Sich-findens. Zeit, über alle vergangenen Augenblicke nachzudenken, die in der Summe schön waren und nur deshalb Trauer oder Schmerz verstärkten. Nur Wehmut ist nicht angebracht, weil mit einem Abschied die Augenblicke nicht aufhören. Sie sind da und gehen nie aus - die vergangenen und die kommenden nicht.
Ist das nicht ein Glück?
30.4.06 17:42





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung