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Nachdenkliches

Die zehn Sinne

Fast jeder von uns hat seine Sinne beisammen. Im Alltag riecht, tastet, hört, spricht und fühlt man, ohne sich besondere Gedanken darüber zu machen. Zuweilen ergeben sich aber auch Situationen, in denen der Gebrauch der Sinne zum Genuss werden kann. Dann nimmt man alles besonders intensiv wahr – vielleicht beim Sex, beim Essen oder dann, wenn der Frühling beginnt. Wie schwer es ist, ohne einen dieser bewusst wahrgenommenen Sinne zu leben, das kann wohl wirklich nur der ermessen, der einen von ihnen verloren hat. Schade eigentlich, dass wir den Wert der Sinne vor einem solchen Verlust so wenig erkennen.
Dabei verfügen wir über jeden dieser Sinne zweifach – je einen äußerlichen, der körperlich geprägt ist, und einen inneren, den wir nur mit der Seele erfassen können. Fühlen allein in seiner organischen Bedeutung reicht dazu nicht aus.
Noch unbewusster als mit den äußeren gehen wir mit den inneren Sinnen um. Jenen Sinnen, die in unserer Seele ihre Duplizität finden. Zum Beispiel hat es nicht unbedingt etwas mit dem Geruchssinn zu tun, jemanden nicht riechen zu können. Aber am Augenfälligsten wird die Duplizität oder Ergänzung der Sinne vielleicht beim Thema Sehen, denn auch mit geschlossenen Augen sind wir zum Sehen in der Lage. „Träumen“ sagen wir dazu, obwohl es mehr ist als nur das. Denn das Träumen ist ein Zusammenfügen neuer Bilder oder gar das Ergänzen fehlender Teile eines Bildes. Träumen ist Vorausschau, Rückblick, Innenansicht, Genesung, Erneuerung. Träumen ist Rückzug, ist Erholung, Geburt eines Wunsches, möglicherweise Ansicht einer Vision. So ergeben sich für das das innere Sehen allumfassend beschreibende Wort „Träumen“ unglaublich viele mögliche Sichtweisen und Blickwinkel. Ich frag’ mich oft, wie weit das Träumen geht. Ist es noch Traum, wenn ich versuche, ein Nichts in einem leeren Glas zu erfassen oder ist es inneres Sehen, wenn ich beginne erst die Luft, dann das Licht und dann die unzähligen Mikroorganismen und Universen zu sehen, die sich in diesem Glas tummeln? Und ist nichts – so gesehen – nicht etwas, was es nicht gibt und das in seiner Vielfalt nicht erfassbaren Reichtum enthält? Ich sehe also etwas, wenn ich nichts sehe. Und ich kann weiter sehen: ins Dunkel, hinter die Sonne, über den Horizont hinaus oder - wenn ich ein guter Seher bin – vielleicht in einen Menschen hinein. Das, was unser Sehen oft behindert, ist schlicht Angst vor dem Sehen.
Das innere Fühlen hat nichts mit Anfassen zu tun. Trotzdem sind Berührungen möglich. Das Schöne an dieser Art der Berührungen ist, dass sie dieselbe Tiefe, aus der sie kommen, beim Berührten erreichen können, wenn dieser in der Lage ist, zuzuhören. Diese Art des Zuhörens ist vielleicht die schwerste Aufgabe, die ein Mensch auf dem Weg zu sich selbst zu lösen hat, denn er muss alles, was er gelernt hat, infrage stellen können und mehr Vertrauen in das Glauben setzen als in die Ratio – er muss seine eigenen Wahrheiten finden wollen und können anstatt sich an Lebensregeln zu klammern, die ihm nur das Dasein erleichtern können, nicht das Sein.
Das innere Berühren entsteht in der Hingabe. Das Zuhören ergänzt diese Hingabe mit Offenheit. Nur ein für andere Menschen offener Mensch ist in der Lage, deren Berührungen richtig zuzuhören. Oder dem, was sie „sagen“, ohne es zu sagen.
Wenn wir das „Sagen“ eines Anderen wahrnehmen können, haben wir Angst überwunden, sind offen und zur Hingabe bereit. Im Alltag nehmen wir das nur sehr selten wahr und oft über die Augen eines geliebten Menschen. Doch auch die Gestik kann Geschichten erzählen, Falten im Gesicht, die Haltung, die Stimme... Manchmal ergänzen wir Ungesagtes oder interpretieren Gesagtes, manchmal lesen wir zwischen den Zeilen von etwas Geschriebenem und manchmal reden wir auch nur im Schweigen miteinander.
Auf diese – innere – Art sinnlich zu leben ist nicht Genuss, sondern erfüllend. Denn die inneren Sinne sind es, die uns zu wirklichem Reichtum führen. Zu Dingen, die unvergänglich sind und die man hat, ohne sie besitzen zu müssen.
30.4.06 18:05


Der Sinn des Lebens

Es kann recht amüsant sein, sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens zu beschäftigen. Es gibt viele solcher Fragen, die dem Grundsatz nach banal erscheinen, ohne daß man sie jedoch wirklich beantworten kann: Was war denn nun „erst“, das Huhn oder das Ei? – Ist bei einer Kugel oben nicht doch vielleicht unten? Folgt die Nacht auf den Tag oder ist es umgekehrt? Was ist Zeit? Wie groß ist das Universum?...
Möglich, daß wir die Antworten auf solche Fragen unbekümmert beiseite schieben, möglich aber auch, daß wir uns zeitlebens plagen mit der Suche nach ihnen. Dabei ist die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gar nicht so schwer zu finden; das Problem ist nicht die Antort, sondern es steckt in der Frage. Nur allzu oft meinen wir „Zweck“ oder „Ziel“, wenn wir „Sinn“ sagen.
Ergo ist es einfacher, sich zunächst mit der eigenen Frage zu beschäftigen, denn mit der Antwort. Wie so oft im Leben steckt auch hier in der Frage der Weg. Müßig, eine Antwort darauf zu nennen, denn Du wirst sie ganz allein finden.
Wenn Du willst.
30.4.06 18:04


Seelenvogel

Hast du ihn schon mal gesehen, deinen Seelenvogel? Meinen sehe ich oft; er sitzt auf meiner Schulter, oder er kreist hoch über mir unter dem blauen Himmel. Manchmal ist er dann nur als ein kleiner Punkt zu erkennen. Und wenn ich ihn mal überhaupt nicht sehen kann, höre ich an seinem Schrei, dass er über mir ist.
Es ist ein merkwürdiges Ding mit diesem Vogel. Ich weiß nicht, ob ich ihn wegen seiner Buntheit mit einem Papagei vergleichen soll oder mit einem Falken ob seiner Flugeigenschaften. Die Ironie treibt mich sogar zum Vergleich mit einem Chamäleon. Denn es gab Zeiten, da erschien mein Seelenvogel mir schwarz wie eine Krähe oder gar als ein gerupftes Huhn.
Damals hätte ich ihn gerne umgetauscht. Aber irgendwie geht das nicht, seine Treue ist nicht auf andere Menschen übertragbar. Also musste ich lernen, mich mit ihm abzufinden und dann, mit ihm umzugehen.
Als ich ihn das erste Mal bemerkte, saß er in einem Käfig auf dem Boden in der hintersten, dunkelsten Ecke. Schwarz erschien das Gefieder und stumpf, und die Flügel hingen ihm an den Seiten hinab. Traurig schaute mein Seelenvogel mich durch die Gitterstäbe an, kraftlos wirkte er dabei. Mit ein paar leckeren Brocken, die ich ihm vorwarf, versuchte ich zwar, ihn zu Kräften zu bringen, aber wir beide hatten wohl verschiedene Vorstellungen von dem, was ihm schmecken würde.
Die erste Veränderung in seinem Verhalten bemerkte ich, als ich einmal die Käfigtür öffnete. Es schien mir, als würde er aufmerksamer blicken – irgendwie wacher als sonst. Als ich dann bei geöffneter Tür ein paar Schritte zurück trat, schien seine Haltung sich zu straffen. Als ich die Käfigtür wieder schloss, sackte er in seiner Ecke wieder in sich zusammen. Ich vermutete, er wartete nur auf eine günstige Gelegenheit, mir zu entwischen, der Schlingel.
Doch so, wie er da saß, konnte es auch nicht weiter gehen. Umso mehr ich ihn wahr nahm, desto mehr tat er mir leid, der arme Kerl. Eines Tages beschloss ich deshalb, mich von ihm zu verabschieden. Irgendwie hatte ich ja so gar nichts von ihm. Also ließ ich die Käfigtür offen und zog mich von seinem Gefängnis so weit zurück, dass ich’s gerade noch beobachten konnte.
Diesmal hatte ich nicht nur das Gefühl, er würde sich straffen, sondern ich sah es ganz deutlich. Langsam tastete er sich an die offene Tür heran und hüpfte dann mit einem Satz auf die kleine Stange, die als eine Art Schwelle davor befestigt war. Dort traf ihn das erste Mal das Sonnenlicht, und ich erkannte, dass er gar nicht schwarz war, sondern ein buntes Gefieder hatte. Es glänzte zwar nicht und tendierte ein wenig ins Grau, doch die Farbigkeit war nicht mehr zu übersehen.
Sein erster Flugversuch endete beinahe schon so 15 Zentimeter vom Käfig entfernt in einer Bauchlandung. Aber nur fast – irgendwie schaffte er es dann doch, mit aufgeregtem Flügelschlag der Kollision mit dem Boden zu entgehen, höher in die Luft zu steigen und sich aus meinem Sichtfeld zu entfernen.
Ich saß einfach da, und ließ meine Gedanken mit ihm fliegen...
Baff erstaunt sah ich etwas später, dass er zurück kam. Punktgenau landete er auf seiner Stange. Er schien sehr außer Atem. Das Gefieder war ein wenig zerzaust, in seinem kleinen Brustkorb sah ich das Herz bullern, und pfeifend vernahm ich seinen durch den Schnabel gepressten Atem.
An diesem Tag ließ ich die Käfigtür offen. Und auch an jedem folgenden Tag. Mir gefiel die Veränderung, die ich an meinem Seelenvogel beobachten konnte. Mehr und mehr begann sein Gefieder samten zu leuchten, und irgendwann sang er sogar – ich hatte den Eindruck, es wäre für mich.
Seit ich ihn fliegen lassen kann, meinen Seelenvogel, macht es mir Spaß, mich daran zu erfreuen, dass er lebt – dass er ist. Die Freude darüber hat die Angst vertrieben, ihn zu verlieren. Und es ist ein echt gutes Gefühl, mit einem solchen Seelenvogel zu leben. Schau mal, wie er fliegt...
30.4.06 18:03


Mein Schutzengel

Wenn man ihn sehen könnte, wäre mein Schutzengel ein Mensch wie du und ich. Ich glaube, er ist ein fröhlicher Engel, der gerne lacht und dem es gefällt, mir hin und wieder ein Bein zu stellen.
Ich bin sicher, er ist gar nicht zu meinem Schutze da – eher hat er die Aufgabe, mich zu behüten. Er nimmt mir nichts ab, was mir passiert; ich kann mich nicht in ihn oder zu ihm flüchten, damit er mir Schutz gewährt. Auch wenn er mein ständiger persönlicher Begleiter ist, hat er wohl eher die Aufgabe eines Schiedsrichters, der die Einhaltung der Regeln zu überwachen hat, die vom Schicksal vorgegeben sind.
Mein Schutzengel kann mich also nicht schützen vor etwas, das mir bestimmt ist. Um das Sterben beispielsweise komme ich nicht herum – aber auch um das Leben nicht. Müßig, sich mit der Frage nach dem „Wie“, „Wann“ oder „Warum“ zu beschäftigen. Mein Schutzengel würde auf die Frage nach den Unbillen des Lebens antworten: „That’s life...“
Darüber hinaus hat er eine recht ungewöhnliche Art, mich zu behüten. Ich meine diese ewige Beinstellerei. Oft schon hat er mich straucheln lassen, damit der Schreck mich aufmerksamer durch das Leben gehen läßt. Regelmäßig sorgt er dafür, daß ich verliere, damit ich mich wieder des Gewinns entsinne. Er läßt es zu, daß ich mich verletze, damit ich mich meiner Verletzlichkeit erinnere. Und er sorgt für den einen oder anderen Verlust, damit ich nie vergesse, was „wert“ ist.
Es ist kein einfaches Leben mit einem solchen Schutzengel in mir, aber ein schönes. Das, was er mir gibt und bietet, ist viel mehr, als es das Wort „Schutz“ auszudrücken vermag. Denn auch wenn er mich hin und wieder straucheln läßt, so wird er mich nie fallen lassen. Da bin ich sicher! Und dieses Gefühl der Sicherheit ist es, das mir die Kraft gibt, mich selbst zu schützen.
30.4.06 18:02


Männer weinen nicht!

Ach, wär’ ich doch nur eine Frau…
30.4.06 17:58


Vom Lächeln des Lächelns

Es ist komisch, schon oft habe ich mir Gedanken über das Lächeln gemacht. Lächeln – ein Begriff, mit dem wir eigentlich immer Wärme verbinden. Dabei kann ein Lächeln vielfältig Gefühle von der Unverbindlichkeit bis zum Hass ausdrücken. Oder wie kann man sich das Lächeln eines Bankbeamten liebevoll vorstellen - oder das einer betrogenen Frau...?
Lächeln ist Ausdruck der Seele, so empfinde ich es. Keine Sache des Mundes. Wirkliches Lächeln kommt von innen. Manchmal spürt man es nur, ohne dass man sein Gegenüber sehen muss. Manchmal ist es offensichtlich. So zum Beispiel im Blick einer Mutter, die ihr Kind eigentlich tadeln sollte. Oder man sieht’s Vertrauen erweckend in den Augen des Geliebten; nachsichtig aus denen eines alten, weisen Menschen...
Mir ist, als würden nur kluge Menschen lächeln können. Menschen, die „wissen“, Menschen, die erlebt haben, Menschen, die träumen. Es steckt Kraft in deren Lächeln, die Kraft zu berühren.
Ich freu‘ mich darüber, dass auch ich lächeln kann. Und dass ich berühre damit. Im Alltag diesen oder jenen Blick wirklich lächelnd erwidern zu können ist ein gutes Gefühl. So stärkt das Lächeln anderer und das eigene gleichermaßen. Und fast lachend denke ich an ein ganz bestimmtes Lächeln, das mich nur durch das Erinnern zum Lächeln bringt.
Spürst du’s?
30.4.06 17:57


Der kleine Mann...

Ich kenne Ihn sehr gut, den „kleinen” Mann. Doch ich weiß, er ist nicht klein. Er wirkt nur klein, weil er in etwas steht, das aussieht wie Wasser. Dieses Wasser steht ihm bis zum Hals, nur der Kopf schaut heraus.
Für den Mann, der im Boot über ihm steht, wirkt er allerdings sehr klein; und der andere wirkt für den, der im Wasser steht, sehr groß. Scheint’s, beide lebten gefährlich. Der kleine Mann könnte seinen Kopf verlieren, wenn das Wasser stiege. Aber der ist sicher, es steigt nicht - es war immer schon da und ist noch nie gestiegen.
Der große Mann hat Angst! Er hat Angst, das Gleichgewicht zu verlieren, obwohl er sicher ist, daß er nicht ertrinken wird, denn neben dem kleinen Mann könnte er doch immer noch gut stehen - zur Not auch auf ihm.
Nein, nicht vor dem Ins-Wasser-fallen hat der große Mann große Angst, er hat Angst davor, daß sein Boot umschlägt und er es verliert...
30.4.06 17:57


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